Aufgeblättert: „Flüchtige Seelen“

Aufgeblättert: Flüchtige Seelen. Foto: Kristina Petzold (CC BY-NC 3.0 DE)

Aufgeblättert: Flüchtige Seelen. Foto: Kristina Petzold (CC BY-NC 3.0 DE)

Leserin
Am 5. Juli hatte sie das Buch aufgeschlagen und war eingetaucht in die klirrende Kälte des kanadischen Winters. Sie saß in einer Psychologie-Vorlesung, besichtigte ein Labor, betrachtete Reagenzgläser und eine Beziehung voller warmer Distanz. Behutsam und mit vielen Umwegen öffnete der Roman ihr den Blick für Mei und ihren Schmerz. Sie erfuhr Stück für Stück die Gründe und teilte die Hoffnung auf Linderung. Alles begann und endet in Kambodscha.

Protagonistin 
„Ich war elf, als ich Kambodscha verließ, und bin seitdem nie wieder da gewesen. Vor Jahren, mit meinem Mann unterwegs nach Malaysia, habe ich es aus der Luft gesehen. Seine Schönheit, unverändert, endlos, riss eine Wunde in mit auf. Ich saß am Fenster und die kleine Maschine flog niedrig.”

Rezensentin 
Als sie die Hände auf die Tastatur legte, gab es noch keinen Gedanken, nur Unordnung. Erst mit den Papierseiten zwischen den Fingern und den Namen der Figuren über den Kapiteln wurden die Erlebnisse, die sie mit den flüchtigen Seelen gehabt hatte, wieder lebendig. Die Figuren wirbelten durcheinander, hoben sich nur kurz ab, um in einzelnen Episoden aufzuleuchten, und verschwanden wieder. Als sie die Hände zurück auf die glatten Tasten legte, hing noch ein schweres Gefühl im Raum. Ein Souvenir.

Ein Beitrag von Kristina Petzold

Mehr über Flüchtige Seelen, Madeleine Thien und Almuth Carstens.