Bücher, an denen wir gescheitert sind (II)

Clemens Meyer
Im Stein

Ein kunstvolles und handwerklich stimmiges Buch, dessen Autor sich mit Konventionen oder Erwartungen nicht aufhält, das ist Im Stein in jedem Fall. In meinem Fall ist es aber vor allem eines, das mit seinen beinahe manischen Passagen, dem ständigen Wechsel des Rhythmus und Stils und den detaillierten Sex- und Rotlicht-Milieu-Szenen ziemlich schnell nur noch genervt hat. Zu viele Personen, zu viel schillerndes Auf- und Abtauchen, zu viel Ratlosigkeit bei mir. Sophie Sumburane

Cormac McCarthy
Die Straße

Die Straße konnte ich nur zur Hälfte gehen – und bereits dieser Weg war steinig und schwer. Klar, ist so gewollt, schließlich kämpft man sich zusammen mit Vater und Sohn durch ein postapokalyptisches, verbranntes Amerika auf der Suche nach einer (eher unwahrscheinlich) besseren Zukunft. McCarthy erschafft eine düstere Zukunftsvision in einer düsteren Landschaft mit düsteren Figuren. Trotz allem hat dies eine anscheinend geistig-erquickende Wirkung auf das Protagonistenpaar. Deren permanenter Hang zur Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen wurde in Kombination mit der bedrückenden Tristesse jedoch schnell anstrengend und deprimierend. Vielleicht hätte ich es nicht ausgerechnet zur Weihnachtszeit lesen sollen, mit Teetasse in der Hand und im Schein des Kaminfeuers, sondern eher sobald die Apokalypse tatsächlich näher rückt? Man könnte ja was draus lernen. Annika Reketat

Sir Walter Scott
Rob Roy

Es geht doch nichts über schottisches Englisch! Ehrlich! Ich könnte den ganzen Tag lang diesen fett-rollenden R-Lauten zuhören. Aber lesen? 350 Seiten voller „I downa forgather wi‘ thae things“ und „better a finger aff as aye wagging“ waren mir dann doch zu viel. Julia Linne

David Foster Wallace
Unendlicher Spaß

Ich hoffe, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage: Ich bin da nicht final dran gescheitert. Ich habe fest vor, das zu lesen. Doch, ehrlich! Aber nachdem das reichlich angestoßene Bibliotheksexemplar mehrere Wochen bei mir lag und ich in dieser Zeit kaum mehr als zwanzig Seiten zurückgelegt habe, kann ich doch zumindest eines guten Gewissens proklamieren: Die Hardcoverausgabe hat das ausgezeichnetste Format für einen veritablen Fensterstopper. Vreda Marschner