Der Soundtrack: Mordor kommt und frisst uns auf

Der Übersetzer des Shortlist-Titels Mordor kommt und frisst uns auf, Thomas Weiler, hat eine kleine EP zum Buch von Ziemowit Szczerek zusammengestellt.

Track 1

„Die Tür ging auf und ein paar schnurrbärtige Gerippe kamen herein, mit grauen Augen, schönen Augen wie Anna Maria, der man ihr strahlendes Lächeln genommen hatte.“
Ziemowit Szczerek: Mordor kommt und frisst uns auf. S. 208

Track 2

„Alter, wir laufen so durch den Park in Kiew, laufen so, weißt du, so quer durch, weil wir waren vom Weg abgekommen“ (nur Udai und Kusai konnten es fertigbringen, in einem Park vom Weg abzukommen), „schlagen uns so durch den Heckmeck, Scheißhaufen, Kackband und das alles, wir so durch, und dann, weißt du, hören wir auf einmal Poljuschko polje. Kennst du? Klar. Dieses patatam, patatam, patatam und dann so ‚poooljuschko poolje, poljuschko schyrooooko pooolje‘, kapierst du? Nein? Klar. Wir hören so dieses poljuschko polje, fette russische Pompmusik, und wir stehen irgendwo in der Botanik in den Scheißhaufen, leere Tomatenthunfischdosen, Wodkaflaschen, weißt du …“
Ziemowit Szczerek: Mordor kommt und frisst uns auf. S. 64f.

Track 3

Als sie dann betrunken waren, sangen sie das „Gott erhalte, Gott beschütze“. Ich sang auch mit, auf Polnisch, Taras und seine Kumpels sangen auf Ukrainisch. Udai und Kusai dachten erst, das wäre „Deutschland, Deutschland“ und stimmten so mit ein, bekamen aber eins auf den Deckel und verlegten sich aufs Summen, kicherten wie die beiden Streifenhörnchen aus dem Zeichentrickfilm und wiederholten immer wieder ihr „o yeah“, „o yeah“. Später sangen wir dann noch deutsch, noch später, als wir so richtig dicht waren, holte der Barmann die ausgedruckten Textfassungen auf Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch, Rumänisch, Kroatisch, Serbisch und Slowenisch raus. Sogar die italienische und die friaulische. Die sangen wir auch noch, logisch.
Ziemowit Szczerek: Mordor kommt und frisst uns auf. S. 75

Track 4

Wir setzten uns aufs Vordach über der Tür der renovierungsbedürftigen Pension, tranken Wodka-Cola aus Kindergläsern mit Wolf und Hase und schauten über die Dächer von Akkerman, der Stadt ohne Form.
Die Pension war übrigens genauso unförmig. Sie wurde gebaut, wo gerade Platz war. Wie ein Korallenriff. Die Flure folgten keinerlei Ordnung, sie führten dorthin, wo ein Abzweig endete. Manchmal musste man sich durch Engpässe zwängen, die man mit Rucksack kaum passieren konnte. Die Mädels waren nach kürzester Zeit betrunken und ließen dann Tatu auf ihren Handys laufen. Zu „Ja soschla s uma“ fingen sie an, sich zu küssen und dabei zu mir zu schielen. Ich seufzte. Kurz darauf musste Paris‘ Freundin kotzen. Da wurde mir klar, dass sie nicht erst mit mir angefangen hatten zu trinken, sondern schon lange dabei waren, bestimmt seit dem Morgen. Die Alten waren ja weg, sie hatten sturmfrei. Das Mädel kotzte, dass es fast vom Dach fiel. Der Hund sah aus, als wartete er nur auf den Sturz. Wie das Krokodil bei James Bond.
Ziemowit Szczerek: Mordor kommt und frisst uns auf. S. 118

Track 5

Es genügte schon, dass so ein Lemberger Pole ankam, ein bisschen vom Lwów der Vorkriegszeit erzählte, den „Marsch der Kinder von Lwów“ trällerte und Dialekt vortäuschte, „a joj, sollt ihr sich filn als wie dahejm, is jo auch die ejer Stadt“, schon schwammen die polnischen Polen in Tränen, gänzlich aufgelöst, geplättet, wie vom Auto überrollt, schon schluchzten sie und schnieften, griffen zu den Brieftaschen, kauften Stadtpläne, Führer und mieteten Wohnungen.
Ziemowit Szczerek: Mordor kommt und frisst uns auf. S. 17