„Literature is something that you have to write with blood, not with ink“

Im Gespräch mit Bernardo Kucinski, der mit seinem Roman K. oder Die verschwundene Tochter für die Shortlist des Internationalen Literaturpreises 2014 nominiert wurde, sprechen wir über die Bedeutung dieser Nominierung, seine nächsten Projekte und wie er die literarischen Entwicklungen in Brasilien einschätzt.

Zu Beginn des Interviews verrät uns Bernardo Kucinski was die Nominierung für ihn eigentlich bedeutet. Er fühlt sich geehrt für diesen wichtigen Literaturpreis nominiert worden zu sein, auch weil die anderen Autoren als hochrangig bezeichnet werden können. Auf der anderen Seite würde er sich auch wünschen nach zahlreichen Nominierungen endlich mal als Gewinner aus einem Wettbewerb zu gehen.

Bernardo Kucinski gewährt uns Einblicke in seine zukünftigen Pläne und Projekte. Es gebe viele Anfragen aus dem Roman K. oder Die verschwundene Tochter einen Film zu produzieren. Kucinski stecke mitten in zeitraubenden Verhandlungen, die wenig Raum lassen zum Schreiben. Als Autor ist er dann wieder in diesem Jahr bei verschiedensten Literaturevents in Brasilien dabei. Zudem stellt er momentan einen weiteren Roman fertig und plant eine Sammlung seiner Kurzgeschichten zu publizieren. Er sieht sich selbst als „betagter Autor“, der bevor ihn die Krankheit Alzheimer heimsucht, möglichst viel produzieren müsse. Im Gegensatz zu jungen Autoren, philosophiert er nicht darüber was er mit seinem Leben anfangen soll. Er habe schon alles durchlebt. Schreiben bedeute für ihn permanent Hürden zu überwinden. Nur wenn etwas schwer sei, ist das Niedergeschriebene anspruchsvoll und weniger seicht. Man schreibe, metaphorisch gesehen, mit seinem eignen Blut und nicht mit Tinte.

Kucinski gibt auch Einblicke in seine eigenen Lesegewohnheiten. Momentan bevorzugt er klassische brasilianische Literatur, was er damit begründet, dass er für sein literarisches Werk zurück zu seiner eigenen Sprache finden muss. Kucinskis Urteil über aktuelle literarische Strömungen in Brasilien fällt eher vernichtend aus. Es gäbe gegenwärtig keine ‚großen‘ Autoren, deren Werke zu Klassikern werden könnten, wie noch in den 30er und 50er Jahren. Brasilien befinde sich in einem „Dazwischen“ – Autoren müssen sich noch entwickeln um gehört zu werden.

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