„I like dead authors – they don´t take part in competitions“

Interview mit Georgi Gospodinov

Neben mehreren Gedichtbänden sowie einer Kurzgeschichtensammlung ist „Physik der Schwermut” Gospodinovs zweiter Roman. Nachdem der Roman bereits 2011 in seinem Heimatland Bulgarien erschienen ist, bedeutet ihm die Nominierung für den Internationalen Literaturpreis außerordentlich viel. Er betont, dass eine solche Nominierung insbesondere für ihn als bulgarischen Autor, der in einem kleinen Verlag wie dem Wiener Droschl Verlag publiziert, eine ganz besondere Auszeichnung und Ehre bedeute. Augenzwinkernd fügt er hinzu, dass diese eher schwierigen Voraussetzungen doch letztendlich nur darauf hinweisen könnten, dass sein Roman wirklich ausgesprochen gut sein müsse.

Am Abend der Preisverleihung freut der Autor sich vor allem darauf, die Leser seines Romans zu treffen und auf den Austausch mit ihnen – eine Gelegenheit, die sich für den Autor sonst nur selten ergibt.

Auf die Frage nach seinen aktuellen Projekten überrascht der Autor: Er erzählt, dass er soeben ein Stück für die Oper fertiggestellt habe – etwas völlig anderes also –, und beweist so seine künstlerische Vielseitigkeit. Mit viel Humor begegnet Gospodinov auch der Frage nach seinen beruflichen und privaten Zukunftsplänen. So führt ihn sein Weg direkt nach der Langen Nacht der Shortlist erst einmal in ein Kloster in der Schweiz. Von großen Projekten hingegen für die nächsten Jahre will er nicht reden, denn er sei ein „lazy author”, der große Projekte nicht mag und daher lieber Gedichte schreibe.

Seine Bewunderung für andere Autoren gilt vor allem jenen, die bereits verstorben sind. So nennt Gospodinov Jorge Luis Borges und J.D. Salinger als Größen seiner Zunft, Namen noch lebender Autoren wollen ihm jedoch nicht einfallen. Lachend fügt er hinzu, seine Vorliebe gelte wohl vor allem den toten Autoren, weil diese nicht an Wettbewerben teilnähmen und somit auch keine Konkurrenz mehr darstellen würden.

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