What´s outside the center of publishing?

Flüchtige Seelen, in ihrem Heimatland Kanada schon 2011 publiziert, ist Thiens dritter Roman. Sie zeigt sich erfreut und überrascht über die jetzige Nominierung, auch weil der Text, wie sie sagt, ein schwieriger sei, sowohl stilistisch als auch thematisch. Geht es doch um die Auseinandersetzung mit dem Kambodschanischen Bürgerkrieg. Es bedeute ihr daher sehr viel, dass auch die Jury ihr Buch als wichtig und künstlerisch anspruchsvoll anerkennt. Fast noch mehr freue sie sich allerdings für ihre Mitnominierte Almuth Carstens, die Übersetzerin von Flüchtige Seelen sowie ihrer aller bisher erschienen Werke.

Momentan arbeitet Madeleine Thien bereits an ihrem nächsten Manuskript. Wie sie uns erzählt, dreht es sich um Musiker, die in den sechziger Jahren klassische Musik in Shanghai studieren. Der Plot ist hauptsächlich in China, aber auch streckenweise in Kanada angesiedelt. Das Thema ihres neuen Werkes steht wiederum in Verbindung mit ihrem Vorgänger Flüchtige Seelen, auch hier werden die Schattenseiten eines kommunistischen Systems thematisiert. Das Buch versuche die historischen Ereignisse der kulturellen Revolution in China mit den Demonstrationen am Platz des himmlischen Friedens 1989 zu verbinden. Es sei besonders interessant 2014 daran zu arbeiten, da sich die Demonstrationen nun zum 25. Mal jähren, erzählt Thien. Diese führten damals zu massiven Veränderungen in der Geopolitik Chinas und der Welt. Thien hofft, dass sie ihr Werk diesen Sommer fertig stellen wird.

Die Leseinteressen der Autorin selbst sind breit gefächert, wie sie uns lachend verrät. Seit den Anfängen ihres Schriftstellerdaseins hatten die Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro sowie Michael Oondaatje großen Einfluss auf sie. Als noch bedeutender schätzt sie jedoch den niederländischen Autor Cees Nooteboom für ihre Entwicklung ein, dessen Roman Allerseelen ihr persönlich viel bedeute.

Internationale Trends sieht Madeleine Thien in Osteuropa und China entstehen, abseits der großen Publikationszentren wie New York und London. In den letzten vier bis fünf Jahren wende sie sich verstärkt dem asiatischen Raum zu und beobachte mit großem Interesse die dort entstehenden literarischen Strömungen. Besonders fasziniert zeigt sich Thien von China, das Land bringe momentan viele außergewöhnliche Autoren hervor. Die Themenvielfalt sei groß. Aufgrund der Zensur müssen Autoren neue und kreative Wege gehen um über solch schwierige Themen wie Politik zu schreiben, die spannend aber dennoch gefährlich seien.

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