Gastfreundschaft: ein heilig gehaltener Brauch

Im Dialog mit Der Colonel von Mahmud Doulatabadi

Wir haben uns mit dem gebürtigen Iraner Mehdi Alishah Mohammadi unterhalten. Er gibt uns einen Einblick in die persische Tradition und Sichtweise. Er erläutert die Stellung und Bedeutsamkeit von Gastfreundschaft in seinem Heimatland.


Der Colonel, im Gespräch mit Mehdi Alishah Mohammadi, (CC BY-NC 3.3 DE), Der Colonel, ein Foto von Isabel Bach (CC BY-NC 3.3 DE)

مهماننوازی [mhmannvazy] so lautet das persische Wort für Gastfreundschaft, eine Geste, die in der iranischen Gesellschaft eine scheinbarwichtige Rolle einnimmt. Was versteht man unter Gastfreundschaft? Wo fängt sie an, wo hört sie auf. Der Brockhaus definiert „Gastfreundschaft als die Sitte, Fremde aufzunehmen, zu beherbergen und ihnen Schutz zu gewähren. Bei der früher herrschenden Rechtlosigkeit des Fremden war die Gastfreundschaft ein heilig gehaltener Brauch.“

In Doulatabadis Der Colonel gewährt der Colonel dem Folterer seines Sohnes Amir – Khazar Djavid – Zuflucht in seinem Haus. Eine extreme Situation, die letztlich in einer Katastrophe mündet, der Ermordung der jüngsten Tochter Parwaneh. Dabei fragen wir uns, wie es der Colonel soweit kommen lassen konnte. Stellt er die Gastfreundschaft über das Wohl der eigenen Familie? Hätte er Djazar den Eintritt ins Haus verweigern sollen? Aus unserer west-europäischen Perspektive lassen sich diese Fragen eher beantworten, doch nicht aus der persischen…

 Ein Beitrag von Romina Ay, Isabel Bach und Alina Bäcker

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im Kontext lesen Weg vom Text. Gleichzeitig direkt hinein. Wir fragen nach dem Hintergrund, der Geschichte. Durchleuchten Land und Leben, Subtext und Fiktion