Soundtrack zum Buch: Die Geschichte einer kurzen Ehe


3. Juli 2018
von

Wir haben für jeden Titel aus der diesjährigen Shortlist einen kleinen Soundtrack zusammengestellt. Es geht weiter mit Anuk Arudpragasams Die Geschichte einer kurzen Ehe.



Mando Diao – Dance with Somebody

Die Augen vor der Welt verschließen und den Körper in Schwingung bringen. Tanzen als das Rezept jeden Kummers, deswegen fordert Mando Diao auf, sich zum persönlichen Lieblingssong zu bewegen. Dance with Somebody erschien 2009 im Jahr, in dem auch der Bürgerkrieg in Sri Lanka endete. Der Hauptprotagonist Dinesh in Anuk Arudpragasams Roman Die Geschichte einer kurzen Ehe drängt uns auf das aussichtslose Schlachtfeld des Krieges und gleichzeitig erleben wir durch ihn, dass das Menschsein, solange es noch existiert, Sinn und Freude enthält. Dinesh konzentriert sich auf seinen Körper, seine Bewegungen, seine Erscheinung; er will ein letztes Mal lieben und begehrt werden.

I’m fallin‘ in love with your favorite song
I’m gonna sing it all night long
I’m gonna dance with somebody

Ein Tanz durch die Nacht: grausam, verzweifelt, hoffnungsvoll, würdevoll.

Sufjan Stevens – The Black Hawk War

Full Title: The Black Hawk War, or, How to Demolish an Entire Civilization and Still Feel Good About Yourself in the Morning, or, We Apologize for the Inconvenience but You’re Going to Have to Leave Now, or, ‚I Have Fought the Big Knives and Will Continue to Fight Them Until They Are Off Our Lands!’ [Instrumental]

Ein überinstrumentalisiertes Szenario und trotzdem nicht theatralisch und so ist es im Buch auch: Ein Alptraum, aber irgendwie soll er noch nicht vorbei sein, denn wir wollen noch mehr über den Protagonisten erfahren, noch tiefer in seine komplexen Gedanken eintauchen, er soll nicht sterben, er soll weiterkämpfen.

Sia – Alive

Sia schreit es 16 Mal: I’m alive. Und weiter schreit sie: You took it all, but I’m still breathing. Es ist die Essenz, die uns auch durch Die kurze Geschichte einer Ehe trägt. In der Einfachheit der Worte kann viel und wenig drin stecken, bei Anuk Arudpragasam ist es die einzige Reaktion auf den Tod, die noch bleibt. Ich stelle mir vor, dass Dinesh diese Worte ebenfalls mit aller Kraft hinaus schreit, während um ihn herum die Menschen sterben. Aber im Buch schreit Dinesh nicht, nicht ein einziges Mal. Niemand redet mehr im Lager, denn es gibt nichts mehr, worüber sich ausgetauscht werden könnte, jede Verbindung, die im alltäglichen Leben Menschen miteinander kommunizieren lassen würde, ist erloschen. Und Sias Stimme? Die powert und das ziemlich laut. Dieses Lied ist wirklich überdimensional dramatisch, gut, um das Schweigen zu killen, dass sich ausbreitet, nachdem man das Buch gelesen hat.