Soundtrack zum Buch: Vernon Subutex


2. Juli 2018
von

Wir haben für jeden Titel aus der diesjährigen Shortlist einen kleinen Soundtrack zusammengestellt. Es geht weiter mit Virginie Despentes‘ Vernon Subutex.



Einstürzende Neubauten – Ich gehe jetzt

Als Vernon Subutex im Paris der 80er Jahre seinen Plattenladen aufmacht, gründeten sich Einstürzende Neubauten mit einem blutjungen schönen Blixa Bargeld als Frontmann. Weil Vernon natürlich ein Plattenhändler ist, der sein Handwerk versteht, kennt er die Berliner längst. Bestimmt haben die Franzosen nicht verstanden, was da ins Mikro gebrüllt wird, aber es klang irgendwie so herrlich wütend und vielleicht auch ein bisschen Nazi mit dem ganzen Industrial und so. Mittlerweile ist Blixa Bargeld nicht mehr jung und schön, sondern alt und fett. Er schreit jetzt auch nicht mehr, sondern spricht resigniert ins Mikro: Betonprosa oder Permafrost / Schmelzvorgänge oder nicht / Das Déjà-vu ist jetzt historisch / Die Gemengelage wie gehabt / Ich blute / Irgendwas ist immer / Ich gehe jetzt /
Ah, Zeitgeist!

a-ha – Hunting High and Low

Eine Band, die Vernon sicherlich scheiße findet, weil nur Popper sie hören. Die Bücher werden wohl gerade verfilmt. Ich stelle mir vor, dass jemand sich weinend eine Line Koks mit diesem Song im Hintergrund reinzieht: Watch me tearing myself to pieces / Hunting high and low

Jacques Brel – Les Désespérés

Weil Paris eine tragende Rolle in dem Buch spielt, muss es natürlich ein Chanson geben. Von Jacques Brel, der zwar kein Franzose ist, aber who cares. Les Désespérés übersetzt „Die Hoffnungslosen“ oder „die ohne Hoffnung sind“. Brel besingt hier jene, die mal Hoffnung hatten, die sie aber verloren haben. Die, die unsichtbar geworden sind und untergehen. Der singende Erzähler erkennt sich in ihnen und singt sinngemäß: „Ich kenne ihren Weg, weil ich ihn selber ging.“ Dass wir uns im Anderen erkennen, ist die Voraussetzung für jegliche Form der Solidarität. Sonst vergisst man schweigend die, die voller Hoffnung waren.