„It’s quite an amazing and mysterious process …“

Interview mit Teju Cole, dem Preisträger des ILP 2013

Jede Antwort, die Teju Cole im Interview über sein künstlerisches Schaffen gibt, gewährt Einlass in den Kosmos interdisziplinärer, literarischer Projekte, jede Antwort bietet einen Einblick, ob als kleiner Ausschnitt oder Teil des Ganzen. Teju Cole beschreibt, wie sehr sich für ihn Fotografie und Literatur ähneln. Wie die Übersetzung seiner Werke ihn nicht befremdet, sondern eine enge Verbindung zu seinen Lesern herstellt. Wie die verschiedenen Ausgaben und deren Cover-Gestaltungen seinem Werk neues Leben schenken. Wie interdisziplinäre Arbeit in einem sich verwandelnden Europa immer wichtiger wird. Und wie stark er sich mit Ivan Vladislavićs neuem Roman Double Negative verbunden fühlt.

Aus aktuellem Anlass stellt sich zunächst die Frage zu Teju Coles neuer Stelle als kulturellem Berater im HKW, die er seit dem 2. Mai 2016 wahrnimmt. Während er über den ILP spricht, kann er ein großes, stolzes Lächeln nicht verstecken. Aber was sind seine Erwartungen für die neue Position hier in Berlin? Was werden seine Aufgaben sein?

Teju Cole und das HKW verfolgen beide einen interdisziplinären Ansatz. Was sind seiner Meinung nach die Vorteile eines solchen?

Als er 2013 am Haus der Kulturen der Welt war, wurde seinem Roman Open City und dessen deutscher Übersetzung der ILP verliehen. Der Roman ist außerdem in ein Dutzend weiterer Sprachen übersetzt worden. Wie fühlt es sich an, die Übersetzung des Romans zu sehen und sein eigenes Werk nicht verstehen zu können? Teju Cole gibt sich verschmitzt und komplizenhaft, als er über den Erfolg seines Werkes spricht.

Auf seine Antwort mit klarem emotionalem Bezug folgt die Frage, ob er denkt, dass die Übersetzung seines Werkes seine persönliche Beziehung dazu beeinträchtige.

Teju Cole: Open City. englisch (c) Random House 2011.

Teju Cole: Open City, deutsches Cover (c) Suhrkamp 2012.

In gewissem Sinne sind Buch-Cover auch eine Form der Übersetzung, eine Visualisierung der Grundideen. Glaubt Teju Cole, dass dies problematisch sein kann? Ist er zufrieden mit der Präsentation seiner Romane in den verschiedenen Ausgaben? Zur visuellen Unterstützung liegen die englische und deutsche Ausgabe von Open City auf dem Tisch.

Doch er greift zielstrebig nach dem dritten Buch … Aber was ist seine Verbindung zu dem Roman Double Negative von Ivan Vladislavić? Was hat ihn dazu bewogen, das Vorwort zu schreiben?

Ivan Vladislavić: Double Negative (c) A1 Verlag 2015.

Teju Cole schreibt nicht nur gerne über Fotografie, sondern betätigt sich auch selbst in diesem Feld. Wie unterscheidet sich seine Arbeit an erzählenden Texten von der Arbeit in der Fotografie? Mit stark symbolischen Gesten beschreibt er die Arbeitsweisen der beiden Disziplinen und zeigt Kopf und Herz als die beiden Orte an, an denen sie sich abspielen. Er erschließt mit seinem fotografischen Blick den Raum und erobert ihn für sich.

Seinen ersten Roman schrieb er zunächst in Blogform. Hat die Konzeption des zweiten Romans ihn also aus seiner Komfortzone herausgeholt?

„I didn’t feel far from them. I felt close to them; because we are connected by literature.“ Ein Gedanke, der die Relevanz des ILP weiter unterstreicht.

Ein Beitrag von Julia Linne, Franziska Schatte und Sebastian Somfleth

Mehr zu Open City, Teju Cole und Christine Richter-Nilsson und die Webseite von Teju Cole