Revolution – Vergänglichkeit – Identität – Wahnsinn

Galerie der Wörter: Der Colonel von Mahmoud Doulatabadi wieder gelesen

Der Colonel von Mahmoud Doulatabadi, eine Fotomontage von Romina Ay (CC BY-NC 3.0 DE)

Der Colonel von Mahmoud Doulatabadi, eine Fotomontage von Romina Ay (CC BY-NC 3.0 DE)

Der Roman hat eine tiefe Verbindung zur iranischen Vergangenheit, seine Wurzeln sind nicht zu leugnen. Durch Mahmoud Doulatabadi bleibt die Erinnerung an die Revolution 1979, den Beginn des modernen Irans, aufrecht erhalten. Der Roman schockiert – wirkt gegen das Vergessen.

So wie die aufgeschriebenen Wortestehen auch aufeinandergereihte Steine eines Denkmals, eines Gebäudes, gegen das Vergessen und erinnern an die Zeit der Revolution. Gemeint ist der Freiheitsturm Azadi in Teheran, der als Symbol für das moderne Iran steht. Gebaut noch unter der Regierung des Schah, nach der Revolution ist er das Wahrzeichen der Freiheitsbewegung hin zum neuen Iran. Zum Jahrestag der Islamischen Revolution strömen jedes Jahr am 1. Februar hunderttausende Demonstranten auf den Platz – gegen das Vergessen.

Wir verbinden diese beiden Zeugen der Zeit und stützen die Säulen des Turms Azadi mit Motiven und Zitaten aus dem Roman Der Colonel – gegen das Vergessen.

Der Colonel von Mahmoud Doulatabadi ein Foto von Isabel Bach (CC BY- NC 3.0 DE)

Der Colonel von Mahmoud Doulatabadi ein Foto von Isabel Bach (CC BY- NC 3.0 DE)

„Und der tödliche Regen fällt ununterbrochen vom Himmel herab. Er nimmt kein Ende.“ (S.157)

Im sonst sehr trockenen Teheran scheint der Regen kein Ende zu nehmen. Wie seit Jahren die Revolution, hängt die dunkle Regenwolke über der Stadt und ihren Einwohnern. Regen fällt unentwegt vom Himmel, als würde er um die in der Revolution verlorenen, Leben weinen. Blut wird zu Regen – Regen zu Blut. Endloses Vergießen. Ein Ende ist nicht in Sicht…

Der Colonel von Mahmoud Doulatabadi; Foto: Isabel Bach (CC BY- NC 3.0 DE)

Der Colonel von Mahmoud Doulatabadi, Foto: Isabel Bach (CC BY- NC 3.0 DE)

„Die Stimme Amirs war selten zu hören. Seit er sich in den Keller verkrochen hatte, hatte der Colonel sie erst zwei, drei Mal gehört.“ (S.53)

Amir, der einzig noch lebende Sohn des Colonels, lebt ein Leben im Schatten. Nach der Zeit als politischer Häftling im Gefängnis versteckt er sich im Keller seines Elternhauses. Tag und Nacht, isoliert von der Außenwelt, heimgesucht von Albträumen. Schuldgefühle und Erinnerungen bilden sein inneres Gefängnis, aus dem ein Entkommen unmöglich scheint.

Djazir hat den ehemals engagierten Lehrer und talentierten Redner nicht nur körperlich und seelisch gefoltert, sondern Amir alles genommen: Frau, Familie, Beruf, das Leben. Er ist nicht mehr als eine menschliche Hülle ohne Innenleben und Lebensmut. Den Tod als Erlösung herbeisehnend…

 

Ein Beitrag von Romina Ay, Isabel Bach und Alina Bäcker

Mehr zu Der Colonel, Mahmud Doulatabadi und dem Übersetzter Bahman Nirumand

 

Galerie der Wörter: Schwarz auf Weiß stehen sie da. Ein Blick genügt. Wörter werden lebendig. Bekommen Beine, Gesichter, Farben. Verknüpfen sich mit Emotionen, Vorstellungen, Gedanken. Sprache nimmt Gestalt an, wird zu Bildern.