Auf einer Serviette – Georgi Gospodinov

Momentaufnahmen. Miniaturkunstwerke. Eindrücke. Auf dünnen Lagen, in schwarzer Tinte.
Spontane Gedanken des Autors Georgi Gospodinov, eingefangen in der Langen Nacht der Shortlist.

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Auf einer Serviette – Georgi Gospodinov. Foto: Ida Schlößer & Simone Theilmann (CC BY-NC 3.0 DE)

Ich sind!
G. Gospodinov

 

Sowohl mit seiner stilisierten Darstellung eines Labyrinths als auch mit dem Sinnspruch „Ich sind.“ bezieht sich Georgi Gospodinov auf zentrale Motive seines zweiten Romans „Physik der Schwermut“, nominiert für den Internationalen Preis der Literatur 2014.

Seine Zeichnung spielt auf den Irrgang als Kernmotiv seines Werkes an, welches sich nicht allein inhaltlich, sondern auch auf erzählerischer Ebene wiederfindet.

Der darunter festgehaltene Kurzsatz „Ich sind.“ hingegen rekurriert auf die übergroße Empathie seines Romanprotagonisten, die dafür sorgt, dass er die Gefühle und Erlebnisse aller Menschen und Tiere in seinem Umfeld unmittelbar miterlebt. So ist er stets nicht nur er selbst, sondern viele: „Ich sind.“

Verknüpft werden die beiden Kernelemente des Romans durch die immer wiederkehrende Thematisierung des altgriechischen Mythos vom Minotauros in seinem Labyrinth, in dessen Schicksal sich der Protagonist ebenso einfühlt wie in die Gefühlswelten seiner Zeitgenossen.

Ein Beitrag von Ida Schlößer und Simone Theilmann

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