Aufgeblättert: „Als nur die Tiere lebten“

Aufgeblättert: Als nur die Tiere lebten. Foto: Anne Lenhardt (CC BY-NC 3.0 DE)

Aufgeblättert: Als nur die Tiere lebten. Foto: Anne Lenhardt (CC BY-NC 3.0 DE)

Ein Bild ist, dass ein Zehnjähriger bis zum Hals in einer Wanne voll warmen Wassers sitzt und mit dem Selbstauslöser sein erstes Foto macht, ohne zu wissen, dass Jahre später Menschen seine Bilder betrachten und glauben zu wissen, wie sein Leben war.

Ein Bild ist, dass dieser Junge, nun ein Mann, „ein ganzes Buch über Bilder schreibt, aber in Wahrheit schreibt er es über seine Mutter, über ein kleines Bild das es von seiner Mutter gibt, als sie noch ein Mädchen war.“

Ein Bild ist, dass ein Surfer auf dem Meer auf die größte Welle seines Lebens wartet, auf seine Chance, während der Andere nur beobachten kann. Es muss auch den geben, der aufzeichnet, der davon erzählt, rechtfertigt sich der Fotograf.

Ein Bild ist, dass der Fotograf hervorbringt, was die Abgebildete selbst nicht von sich weiß. Warum sie mit der Maschinenpistole in der Hand und einem unrasierten Mann an der Seite eine Bank überfällt. „Denn ein Bild ist so, dass es dich verrät. Es ersticht dich mit dem Küchenmesser, während du die Hand nach der Zwiebel ausstreckst.“

Ein Bild ist, dass ein Vater während des Wehrdienstes Karten spielt, und seine Identität kennt nur der Fotograf.

Was ist also ein Bild?

„Es hat Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, eine Geschichte und ein Gedächtnis, mit einem Wort, es hat alles.“

Eine Geschichte, in Mitten von 14 anderen, die von Entwurzelung, der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Heimat und dem eigenen Selbst handeln. Auch das ist ein Bild.

Ein Beitrag von Anne Lenhardt und Simone Theilmann

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