Bücher, an denen wir gescheitert sind (III)

J. K. Rowling
Harry Potter und der Orden des Phönix

Das mag erschrecken, das klingt infantil, das ist Jahre her, aber 1000 Seiten? Ich kann eigentlich nicht sagen, ich sei gescheitert – ich habe es ja gar nicht erst versucht. Den ersten Band las ich, den zweiten Band liebte ich, den dritten verschlang ich und dann kam die Quidditch-Weltmeisterschaft. 120 Seiten für ein Spiel, in dem fliegende Besen einem fliegendem Ball hinterherjagen. 120 Seiten voller Details über eine fiktive Sportart, wobei mich nicht mal die Fußballweltmeisterschaft interessiert. Ich quälte mich durch, aber vor dem fünften Band stand ich dann wie K. vorm Schloss. Er blieb mir für immer verschlossen. Katharina Deparade

Albert Camus
Die Pest

Nachdem mehrere Exemplare in drei verschiedenen Sprachen im Zeitraum von einem Jahr durch meine Hände gegangen waren, wurde der Roman zu einer Art Sisyphusarbeit. Hätte ich es nur geschafft, den dritten Teil zu lesen! Jetzt, wo unsere politische Pest immer akuter wird, sollte ich vielleicht das Buch ein weiteres Mal in die Hände nehmen. Katie L. Bruton

Orhan Pamuk
Das schwarze Buch

Irgendwo zwischen den vielen Familienmitgliedern, den kleinen Geschäften, Marken und Namen eines Istanbul früherer Jahrzehnte, zwischen Nişantaşı und Kadıköy, habe ich mich verlaufen. Wie der Protagonist Galip bin ich im Plot umhergeirrt, ständig unterbrochen durch Zeitungsartikel, die angeblich eine Botschaft zu des Rätsels Lösung bereithalten sollten. Oder etwa doch nicht? Galips Paranoia befeuert die unnötige Verstrickung in fadenscheinige Geschichten über den Verbleib seiner Frau Rüya. Vor Verwandten, Freunden und ihm vollkommen unbekannten Personen, die er abtelefoniert und/oder besucht, soll schließlich die Fassade einer heilen Ehe aufrechterhalten werden. Pamuk schreibt, als müsse jedes noch so kleine Detail in Galips Umfeld dokumentiert, mit einem Etikett versehen und in einem eigenen Nebensatz untergebracht werden. Ob ich dieses Buch eines Tages zu Ende lesen, geschweige denn verstehen werde? Da sehe ich bisher noch schwarz! Sebastian Somfleth

Franz Kafka
Die Verwandlung

Ich war jung und wild und das reklam-gelb machte sich gut in der Hand, aber es sollte einfach nicht sein. Dreimal habe ich angefangen und dreimal habe ich irgendwann in der Mitte aufgehört. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht mehr, warum. Ich glaube, wir waren einfach nicht für einander geschaffen. So ist das manchmal. Das muss man akzeptieren. Wenn der eine zu viel will, dann will der andere meist gar nicht mehr. Luna Ali

Hermann Hesse
Siddhartha

Ich bin einfach kein Hesse-Fan. Der Steppenwolf gefiel mir noch ganz gut, als ich den las, war ich 16, das ist schließlich ein Buch für Teenager. Mit Narziß und Goldmund musste ich bereits kämpfen. Bei Siddhartha habe ich mich diesem Kampf nicht mehr gestellt und habe stattdessen gleich aufgegeben. Es ist mein Fehler, ich bin nicht empfänglich für Mystik und Hippie-Ästhetik. Tatsächlich behaupte ich einfach, dass es bei Siddhartha um Räucherstäbchen geht, ich weiß es nicht. Über die ersten Seiten bin ich nicht hinausgekommen. Christian Wollgast