Lektüre über Lektüre

Im Grün des Prinzessinnengartens lassen wir uns mit dem Preisträger des Internationalen Literaturpreises 2014 zum Gespräch nieder. Da gleich sein erstes auf Deutsch übersetztes Buch prämiert wurde, hofft Laferrière, dass ihm die durch den Preis entstandene Aufmerksamkeit eine Tür auf den deutschen Buchmarkt öffnet.

Er hebt das öffentliche und gerade auch studentische Interesse am Preis hervor, das seiner Meinung nach der Vielstimmigkeit der nominierten Texte geschuldet ist, die die ganze Welt nach Deutschland holen. In diesem Sinne betont er die Bedeutung der Literatur im Vergleich zum Journalismus, da Schriftsteller in ihren Texten einen uns vielleicht fremd erscheinenden Alltag beschreiben und ihr Innerstes preisgeben, statt spektakuläre Neuigkeiten zu verbreiten und es so den Lesern ermöglichen, ihre Erfahrungen und Gefühle mitzuerleben.

Es sei immer schön, wenn die Literatur es erlaube, ein Fest zu feiern. An der langen Nacht der Shortlist gefalle ihm deshalb besonders das Zusammenkommen verschiedener Vertreter des Literaturbetriebs, der Leser, der Journalisten und Intellektuellen zumal sich diese Welt in Gefahr befinde, da sich Dummheit und Gewalt auch in Form der Arroganz der Reichen immer weiter ausbreiteten. Nur die Kunst (und der Sport) erlaubten es, dass jemand aus unteren Gesellschaftsschichten sich einen Namen mache und somit die Welt durch die Darstellung neuer Empfindungen und Geschichten bereichere.

So wie er selbst in seinen Texten seine Lektüren verarbeite, liebe er es, auch die Leseerfahrung anderer Autoren (wie zum Beispiel Henry Miller oder Jorge Luis Borges) in ihren Büchern miterleben zu können. Meist sei es daher besser statt selbst ein schlechtes Buch zu schreiben, eine Lobeshymne auf ein gutes Buch zu singen. Nach dem ausgezeichneten Buch „Das Rätsel der Rückkehr“ habe er bereits drei weitere Bücher geschrieben. Darunter das „Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama“ und „Die fast verschwundene Kunst des Nichtstun“. Er beschäftige sich in den Texten mit Faulheit und Müßiggang, da er selbst am liebsten aus der Situation des Faulenzens heraus oder frühmorgens im Pyjama schreibe, erklärt er mit einem Lachen.

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