„Im Gepäck“: Die Shortlist des ILP 2014 auf der Rückreise: Zsófia Bán

Im Gespräch mit Zsófia Bán, die mit ihrem Werk „Als nur die Tiere lebten“ für die diesjährige Shortlist des Internationalen Literaturpreises 2014 nominiert war, sprachen wir über die Bedeutung dieses Preises, ihre nächsten Projekte, ihre literarischen Vorbilder und Einflüsse sowie über die Struktur ihrer Werke.

Aufmerksamkeit erregen für fremdsprachige Romane − und das in Ländern in denen diese wohl eher weniger bekannt sind, das sei die Aufgabe des Internationalen Literaturpreises, erklärte Zsófia Bán gleich zu Beginn des Interviews und betonte dessen Bedeutung für die literarische Welt. Eine Veranstaltung wie diese sei somit eine großartige Gelegenheit, unbekanntere und fremdsprachigen Autoren und Texte kennenzulernen.

Sie selbst arbeite gerade an einer Zusammenstellung von Essays. Rund sechs Monate habe das gedauert. „Ich bin eigentlich und ursprünglich eine Essayistin“, fügt sie mit einem Lächeln hinzu. Prosatexte und Romane schreibe sie erst seit einiger Zeit, Essays dagegen schon viel länger. Über die Rückkehr zu ihren literarischen Wurzeln scheint sie überaus glücklich: „Wenn ich ein Essay schreibe, fühlt es sich an wie Nachhauskommen“, so die in Rio de Janeiro geborene Schriftstellerin. „Aber auch Kurzgeschichten und andere kleine Texte habe ich in letzter Zeit geschrieben“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Auf die Frage nach ihren literarischen Vorbildern und Einflüssen nennt Bán allen voran zeitgenössische Künstler: „Mein Schreiben steht in direkter Verbindung zur bildenden Kunst“, betont sie. Vor Kurzem habe sie eine fantastische Ausstellung in Basel besucht, nämlich die von Gerhard Richter, dem teuersten deutschen Maler unserer Zeit. Auch er habe großen Einfluss auf ihre Werke. Ebenso gäbe es aber auch in der literarischen Welt den einen oder anderen Schriftsteller, den sie sehr bewundere und der auch auf ihr Schreiben Einfluss nehmen würde. „Der deutsche Autor W.G. Sebald hat mein Denken über das Schreiben sehr beeinflusst“, erklärte sie. Doch auch ungarische Autoren wie Péter Nádas und Péter Esterházy hätten Anteil an ihrer Arbeit.

Da sie auch als Dozentin für Amerikanistik in den USA tätig ist, sei natürlich auch amerikanische Literatur ein Thema für sie. Inspiration finde sie − so die Ungarin − bei vielen amerikanischen Autorinnen und Autoren. Besonders die Kanadierin Alice Munro, die vor kurzem noch den Literaturnobelpreis für ihre Kurzgeschichten entgegennahm, sei natürlich in gewisser Weise Vorbild und Inspiration für Bán, doch auch Kurzgeschichten von Donald Barthelme und anderen wichtigen Persönlichkeiten des amerikanischen Postmodernismus hätten ihre Arbeit beeinflusst.

Obwohl ihr eigenes Schreiben zwar auf individuellen Kurzgeschichten basiere, die alle einzeln für sich Sinn ergeben, versuche sie in gesammelten Werken wie „Als nur die Tiere lebten“, Plot und Charaktere auch über die einzelnen Geschichten hinaus miteinander zu verweben und so eine romanähnlichere Struktur zu schaffen.

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