The Publishing Sphere: Session 1 – Sites

Die Publishing Sphere ist genau die Sphäre, für die sich EPITEXT interessiert: die verschiedenen Manifestationen von Literatur außerhalb des Buches selbst. Die Veranstaltung ist ein “performativer Live-Publishing-Workshop”. Autorinnen, Künstler und Akademikerinnen sprechen darüber, was jenseits der Materialität des Buches geschieht.

Die Redaktion von EPITEXT ist dabei und kommentiert lakonisch, launisch und assoziativ. Ein Live-Blog.

13:10 Ein kleines Nachholen der zuvor verschobenen Vorstellungsrunde und die Anweisung: “Press the button to speak!”

13:20 “The writer is the example.”

13:25 Work in progress. Schon des Öfteren gehört heute.

13:27 Warum SITES? Es geht eben im Publizieren auch um Orte und unterschiedliche Distributionsformate. Wir beobachten eine Dematerialisierung, die uns zeigt, dass das Publizieren nicht auf Bücher limitiert ist. Logisch.

Gerald Raunig (European Institute for Progressive Cultural Policies): Dividual Writing

13:31 “Wie ein Denken immer schon auf den Schultern von Riesen steht.”

13:32 “Die Mitte ist dividuell, weil sie ein Teilen der Teile impliziert. Aller Anfang ist dividuell.”

13:32 Wir hören ein von rauschigen, blechernen Sounds unterlegtes Audiostück, in dem sich Stimmen überlagern und verschwimmen. Loreley liest DIVIDUUM. Auf Deutsch. Später setzt Raunig noch auf Englisch ein, den offensichtlich selben Text rezitierend. Simultandolmetschen auf die Spitze getrieben.

13:33 Das Buch heißt Dividuum: Mechanic Capitalism and Molecular Revolution

13:34 “Das Autorindividuum simuliert seine Ursprünglichkeit.” So ungefähr.

13:35 Manchmal lösen sich die Knoten und wir können aufatmen, denn wir hören nur noch eine Tonspur. Sich so schnell zurück in den Inhalt hineinfinden, fällt aber schwer.

13:36 Die Autorität will anfangslose Ursache sein. Hierarchische Positionierung. Explizit und implizit.

13:37 Mag man uns Inhalte übermitteln? Hier donnern eher die Effekte. Sollen diese ein ganz bestimmtes Gefühl suggerieren? Untermalt Struktur den Inhalt? Es rauschen über uns hinweg die Geister und was kriegen wir zu fassen?

13:40 Ich bin jetzt aber schonmal ein bisschen frustriert, dass die so über uns weggaloppieren mit ihren multiplen Stimmen. Denke doch: Will etwas mitbekommen!

13:42 Kommunitäres Schreiben: Darum geht es wohl. Und um sein Potential. Kommunitäres Schreiben gebe aber auch “Anlass zu Ungenauigkeiten.” Verschlingt kommunitäres Schreiben den individuellen Autor?

13:37 Er zeigt das Buch in der Voransicht auf Amazon. Kauft er es auch? Zweite Performance-Idee heute: Milliarden an Büchern über Kapitalismuskritik (natürlich auf Amazon) kaufen!

13:40 Die Frau kann gar nicht reden, aber ein Mann steht daneben und erklärt, wie es geht. Das klingt nach guter Kritik. Autor und Autorität als männlich gedacht, immer noch. Aber hab’ den Kontext leider durch die laute Männerstimme nicht kapiert.

13:41 Verweis auf Poststrukturalisten. Stichwort: Proliferation.

13:42 Preisgabe des Einen zugunsten des All-Einen. Einzigartigkeit geht dabei aber lost. Verallgemeinerungen etc. können die böse Folge sein. Operation gelungen, Patient tot. Heißt das so?

13:44 Frage nach einem anderen Schreiben. Dividuelles Schreiben? Habe ich das gehört?

13:45 Wiktionary Eintrag zu “dividual”: [1] Philosophie: als Dividuum organisiert sein, prinzipiell teilbar organisiert sein, ohne dabei seine Wesenseigenschaften zu verlieren.

13:46 Big Data. Personalisierte Werbung. Amazon Online. “…um ein ordentliches Profil von mir zu erstellen.” Erforschung meines Leseverhaltens. Klar, Amazon – Erfinder der gläsernen Leserin – weiß alles.

13:47 Stichwort: Aus dem Buch aussteigen. Der Text ist zu interessant, um so verzerrt und unverständlich gemacht zu werden. Das Primat des Performativen ist manchmal echt whack.

13:48 Die mitschreibende Leserin und ihr Potential.

13:50 Wertschätzung des Schwarms, aktiviert durch die Autorin und gleichzeitig gebändigt.

13:52 Hab Bock mir den Text nochmal in Ruhe anzuhören. Wirklich. Also “Loreley liest DIVIDUUM” – gebt Euch den Scheiß!

13:53 Zack! Vorbei!

13:56 There is a swarm, a social machine, with us, not behind us. That is an important difference.

13:57 Even when we’re writing we are never alone. A social machine, on the synchronic and a diachronic level. Endless. Different histories.

"Die Mitte ist dividuell weil sie ein Teilen der Teile impliziert." #publishingsphere #hkw #hausderkulturenderwelt #ILP #ecosystemsofcontemporaryliteratures

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Olivier Marboeuf (director/curator of Espace Khiasma and Spectre Productions): A Place to Publish/to Publish a Space: Khiasma and Storytelling

14:00 Er werde über einen Ort namens Khiasma sprechen. Manche werden denken, es sei ein existierender Ort.

14:00 “Olivier Marboeuf is not my name.”

14:04 “Naming” ist auch Storytelling. Worum es geht: “Deconstructing and establishing a place where all the hands and voices can come.”

14:05 Espace Khiasma bedeutet nicht die Abwesenheit von Khiasma. “The place khiasma does not exist. It’s not a centre, it’s a space.”

14:06 “Motherfuckers.” Alle sind wieder da.

14:09 “You have to censor your texts or even just the titles communicating with institutions.”

Jakob Nolte/Manuel Bürger (Tegel Media): Tegel Media is first of all a Feeling

14:12 Tegel Media publiziert pdfs, Videos, bald auch Soundfiles. Es gibt einen Newsletter und einen flashigen Snapchatkanal.

14:14 Man will ein Publikum, das nirgends an Hürden stößt. Hürden des Publikationsformats oder – na klar – des Geldes.

14:14 Tegel Flughafen als Ankunftsort für Menschen, die nach Berlin kommen – ein passender Ort für das Projekt.

14:15 “You can also put links!” Toll!

14:15 Jaja, Links. Formatoffenheit. Auch Emails zum Beispiel.

14:17 Man solle einfache Fragen stellen. So wie: Wie geht es dir?

14:18 Zu veröffentlichen: Any texts that bring fun. Or enlightenment.

14:19 Jakob Nolte möchte die Zeit mit seinem Telefon bewusst genießen.

14:19 Deshalb: dejunken!

14:20 Narrative Entspannung! Yeah!

14:20 Literatur fürs Smartphone. Verbunden mit Videos und Links. Finde ich super. Die Internetseite ist einfach gestaltet und die Texte scheinen für kurze Zeit unterhaltend.

14:21 “It’s about having a good time browsing and a good experience with you phone. Yes, it’s about this.”

14:22 Jetzt: Some merchandise. Join our newsletter! “Und wir bezahlen unsere Autoren.”

14:23 “Wir haben die besten Snapchatter on earth!”

14:25 “We do it, because we like to do it.”

14:28 “Mit jeder neuen Veröffentlichung wird es ersichtlicher, worum es geht.”

14:25 “And it’s a lot about feeling. Tegel Media is a feeling.”

14:38 Marboeuf sagt: “Social media is a nice way to dazzle people.”

14:39 Er benutzt Vokabeln wie “poison”. Ich kann damit was anfangen, aber auch mit dem Spirit von Nolte und Bürger.

14:41 Dividual/communitary writing: Ist es nur eine Theorie oder funktioniert es auch als Praxis?

14:42 “I can understand that I was not understandable, but I was not trying to be understandable.”

14:42 Communities sind totalisierend, deshalb kein Teil der Lösung, sondern des Problems, weil man etwas weggeben muss, um dazuzugehören.

14:42 Frage aus dem Publikum an Jakob Nolte: „Can you say some more poetic words?“

14:49 Olivier Marbeouf: “We need to create a place in the poor neighbourhood for poor people that can make something to solve their problems and not to solve our problems as the audience.”

14:48 Marboeuf benutzt eine Vokabel, die Nolte auch benutzt hat und sagt abschließend, es gehe um “the enlightenment of people”

Eine Kunstwelt voller Filterkaffee #nofilter #publishingsphere #hkw #hausderkulturenderwelt #ILP #ecosystemsofcontemporaryliteratures

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David Desrimais (publisher Jean Boîte Editions): Making Books in the Digital Age

15:23 “Six years ago that was the big tumblr moment.”

15:24 “I am not an academic”

15:24 Keine öffentlichen Fördermittel.

15:26 Hier geht es tatsächlich um echte Bücher, die gemacht werden.

15:27 Er stellt ein Buch vor, in dem Bilder von Google Earth drin sind. Das Projekt hat 2007 angefangen, als Google Earth entwickelt wurde.

15:28 Zweites Buch: Kim Jong Il looking at things. (Einen Döner! Love it!) Ein Buch mit Fotos, auf denen Kim Jong Il zu sehen ist, der Sachen ansieht: Looking at Kim Jong Il looking at things.

15:30 “Who wants a book with selfies in his bookshelf? Not me!” Stattdessen: Me and my homie Vince. Selfies vor Kunstwerken also.

15:32 Ein Projekt zum Abschluss der Kunstschule? Oxford English Dictionary-Einträge ersetzen durch das erste Bild, das Google Dir bei der Suche des Begriffs vor den Latz knallt.

15:33 “We did it anyway.”

15:34 “A lot of images.”

15:36 “If it doesn’t exist on the Internet, it doesn’t exist.” (gesehen im Powerpoint)

15:37 “Let’s make many books. And I said ok. Let’s make many books.”

15:38 In the future the best information managers will be the best poets.

15:38 Kenneth Goldsmith natürlich: Uncreative Writing.

15:39 “Like role playing in an S&M club conceptual writing is consensual.” Love it.

15:43 David Desrimais zeigt uns nun also lauter “uncreative” books, die er im Digital Age herausbringt. Lesen kann man die nicht mehr, trotzdem kaufen die wohl Leute. Ich finde sie auch gut.

15:45 “This is not (just) about poetry. It’s about preservation.” Denn wir wissen noch nicht, wie sich das ganze digitale Material schützen und bewahren lässt.