Wer kennt Walter Benjamin, als er stirbt?


9. Juli 2018
von


Text von Camille de Toledo
Aus dem Französischen übersetzt von Kianush Ruf

Diese Lecture-Performance wurde im Juni 2017 im Rahmen des Symposions Publishing Sphere präsentiert, das von Epitext begleitet wurde. Wir veröffentlichen hier den Text, der bisher unveröffentlicht ist und anlässlich der Performance geschrieben wurde. Er erzählt unter anderem von den diversen Auswirkungen, die Publizität und Publikationen auf unser Leben haben. Für die Performance haben der Autor und der Übersetzer jeweils „ihren“ Teil, d.h. den Teil in ‚ihrer‘ Sprache, gleichzeitig vorgetragen. Die entortende, entwurzelnde Wirkung, die diese zweistimmige und zweisprachige auditive Erfahrung produziert, könnte mit Blick auf das multimediale Werk des Autors Camille de Toledo als Vertigo oder „Taumel der Zwischensprachlichkeit“ (vertige de l‘entre-des-langues) bezeichnet werden. In einem einleitenden Kommentar beschrieb Toledo die Performance als den Versuch, die Sprache der Übersetzung bzw. „Übersetzung-als-Sprache“ tatsächlich zu „sprechen“ bzw. für das Publikum hörbar werden zu lassen.

Qui connaît Walter Benjamin lorsqu’il meurt ?

Wer kennt Walter Benjamin, als er stirbt?

Le texte, tu comprends, c’est l’histoire d’une dissémination.

Dieser Text, verstehst du, ist die Geschichte einer Dissemination.

Il y a des échos, des vagues, des hot spots où les textes convergent, des routes où ils s’exilent.

Es gibt Echos, Wellen, hot spots, wo die Texte zusammenlaufen, auf den Straßen ihres Exils.

Seulement une poignée de personnes connaissent Walter Benjamin
Lorsqu’il meurt.

Nur eine Handvoll Leute kennen Walter Benjamin
Als er stirbt.

Quelle est la forme de cette « communauté primitive » ?

Was ist die Form dieser „ursprünglichen Gemeinschaft“?

Quelle politique dessine-t-elle ?

Welche Politik entwirft sie?

Qui est le premier public, la première sphère de publication de Walter Benjamin ?

Was ist die erste Öffentlichkeit, die erste Publikationssphäre von Walter Benjamin?

Tu comprends ?

Verstehst du?

Sätze, die sich wie Äste an der Oberfläche der Dinge verzweigen.

*

Il y a une écologie des livres. Et désormais, une écologie des textes.

Es gibt eine Ökologie der Bücher. Und, nunmehr, eine Ökologie der Texte.

Des phrases qui se ramifient telles des branches à la surface des choses.

Sätze, die sich wie Äste an der Oberfläche der Dinge verzweigen.

Des textes qui s’insinuent dans chaque pli du monde.

Texte, die in jede Falte der Welt eindringen.

Des livres qui se lient et se relient en un gigantesque réseau de sens.

Bücher, die ein riesiges Bedeutungsnetz bilden.

Et les sens s’accumulent, strates de terre, de textes, qui s’emmelent et s’entrelacent.

Und die Bedeutungen werden aufgehäuft, Erd- und Textschichten, die sich verflechten.

Nos corps se donnent à cette intense ramure de significations.

Unsere Körper verschreiben sich diesem intensiven Astwerk der Bedeutungen.

Ecologie, tu disais. Ecologie des textes qui nous éloignent du monde.

Ökologie, hast du gesagt. Ökologie der Texte, die uns von der Welt entfernen.

Qui parfois nous en rapprochent.

Die uns ihr manchmal näher bringen.

Qui nous coupent du monde.

Die uns von ihr abschneiden.

Qui parfois nous y rappellent.

Uns manchmal zu ihr zurückrufen.

****

J’ai appris, enfant, à savoir qu’il y a un texte derrière chaque image.

Als Kind habe ich gelernt, dass hinter jedem Bild ein Text liegt.

Un texte derrière chaque son.

Ein Text hinter jedem Laut.

****

Ce que je dis : l’écosystème des textes ne fait que s’étendre depuis l’invention de l’écriture.

Ich sage: Das Ökosystem der Texte weitet sich stetig aus, seit der Erfindung der Schrift.

Tu comprends ?

Verstehst du?

Ce que je vais dire est archaïque. Mais le temps présent est structuré par de l’archaïque.

Was ich sagen werde ist archaisch. Doch die Jetzt-Zeit wird vom Archaischen strukturiert.

Un archaïque qui se métamorphose.

Ein Archaisches, das sich verwandelt.

Es ist die Geburt der Buchstabenkultur.

***

A un moment du temps, quelque chose naît qui est un code.

Zu einem Zeitpunkt entsteht ein Code.

C’était il y a longtemps.

Das ist lange her.

C’était le code alphabétique.

Das war der alphabetische Code.

A partir de là, tu comprends, le monde s’encode.

Von dem Moment an, verstehst du, wird die Welt codiert.

C’est la naissance de la culture lettrée, une culture de la lettre.

Es ist die Geburt der Buchstabenkultur.

A partir de là, tu comprends, il y a ce que j’appelle une coupure dans l’expérience.

Von dem Moment an, verstehst du, gab es was ich einen Bruch in der Erfahrung nenne.

Quelque chose comme un code – un système de signes – double le monde.

So etwas wie ein Code, ein Zeichensystem verdoppelt die Welt.

Tu comprends ?

Verstehst du?

On ne lit plus les nuages, le souffle du vent.

Man liest nicht mehr die Wolken, das Wehen des Windes.

On ne lit plus les plis du bois et les chants des oiseaux.

Man liest nicht mehr die Falten im Holz und den Gesang der Vögel.

On ne lit plus l’orage et les couleurs du ciel.

Man liest nicht mehr das Unwetter und die Farben des Himmels.

On ne lit plus les astres.

Man liest die Sterne nicht mehr.

A partir de là, on lit le code qui a pris possession du monde.

Fortan liest man den Code, der von der Welt Besitz ergriffen hat.

Qui s’empare du monde.

Der sich der Welt bemächtigt.

Un écosystème remplace l’autre.

Ein Ökosystem ersetzt das andere.

Buchstaben, in deren Innern unser Geschlecht fortan leben wird.

****

C’est ce que j’appelle une coupure dans l’expérience.

Ich nenne es einen Bruch in der Erfahrung.

Ce que j’appelle : la maison du langage, de l’écriture.

Ich nenne es: Das Haus der Sprache, der Schrift.

Une maison où notre espèce s’est retirée.

Ein Haus, in das unser Geschlecht sich zurückgezogen hat.

Des lettres à l’intérieure desquelles notre espèce se met à vivre.

Buchstaben, in deren Innern unser Geschlecht fortan leben wird.

Et la liaison avec le monde des choses est rompue.

Und die Verbindung mit der Dingwelt ist unterbrochen.

Les formes qui nous entourent s’éloignent.

Die Formen, die uns umgeben, entfernen sich.

***

Tu comprends ?

Verstehst du?

Le code s’élance et s’étend sur les choses.

Der Code steigt auf und überzieht die Dinge.

Il encode ce qui est là, sous nos yeux,
Sous nos mains, et nous entrons dans la maison des lettres.

Er codiert was da ist, vor unseren Augen, unseren Händen,
und wir betreten das Buchstabenhaus.

Notre peau textuelle. Les murs de notre demeure.

Unsere Texthaut. Die Mauern unserer Behausung.

Zerhackte, zerschnittene Leben, in codierten Sequenzen aufbereitet.

***

C’est le sens de ce mot que j’emploie pour toi, pour que tu comprennes : « Archaïque ».

Das ist der Sinn des Wortes, das ich für dich verwende, damit du verstehst: „archaisch“.

Nous vivons la suite de cette coupure lettrée
D’avec le monde des choses.

Wir erleben die Folge dieses Buchstabenbruchs
mit der Welt der Dinge.

Et l’encodage s’étend. Le code ressert son emprise abstraite sur le monde des formes.

Und die Codierung weitet sich aus. Der Code verstärkt seinen abstrakten Zugriff auf die Welt der Formen.

C’est ce que Walter Benjamin ressent.

Das ist es, was Walter Benjamin spürt.

Il ressent ce qui arrive, ce qui vient.

Er spürt was passiert, was noch kommen wird.

La capacité technique de reproduire le monde.

Die technischen Möglichkeiten, die Welt zu reproduzieren.

La capacité d’enregistrement des formes.

Die Möglichkeit, Formen aufzuzeichnen.

Et ce qui survient dans nos vies différées.

Und was in unseren zeitversetzten Leben passiert.

Une coupure dans l’expérience. Des hâchures mêmes.

Ein Bruch in der Erfahrung. Sogar Zerstückelungen.

Des vies hâchées, découpées, conditionnées en autant de séquences
Encodées.

Zerhackte, zerschnittene Leben, in codierten Sequenzen aufbereitet.

Un écosystème où tout se désynchronise.

Ein Ökosystem, in dem alles asynchron wird.

Ce que j’entends et ce que je vois.

Was ich höre und was ich sehe.

Ce que je touche et ce que je sens.

Was ich berühre und was ich fühle.

Ce que je crois et ce que je vis.

Was ich glaube und was ich erlebe.

Ce que je veux et ce que j’achète.

Was ich will und was ich kaufe.

Ce que je mange et ce que je bois.

Was ich esse und was ich trinke.

Un écosystème où tout se désynchronise.

Ein Ökosystem, in dem alles asynchron wird.

Tu comprends ?

Verstehst du?

****

Qui connaît Walter Benjamin lorsqu’il meurt ?

Wer kennt Walter Benjamin als er stirbt?

Qui connaît Alter Wenjamin ? Qui connaît B ? Balter Wenja-Minh ?

Wer kennt Alter Wenjamin? Wer kennt B? Balter Wenja-Minh?

Min-Wal – Wal – Ter – Benja – Jaben – Jaben Walter ?

Min-Wal – Wal – Ter – Benja – Jaben – Jaben Walter?

Qui connaît Walter B lorsqu’il meurt ?

Wer kennt Walter B als er stirbt?

***

Quelle est la forme de notre communauté de lectures différées ?

Was ist die Form unserer Gemeinschaft des zeitversetzten Lesens?

De lecteurs différés de Walter Ben ? De Minh ? De B ?

Der zeitlich versetzten Leser von Walter Benja? Von Minh? Von B?

Quelle est l’incarnation de nos vies abstraites, de nos vies recopiées, dupliquées, reproduite ?

Was ist die Inkarnation unseres abstrakten Lebens, kopiert, dupliziert, reproduziert?

Quel lien avons-nous encore avec le monde ?

Welche Verbindung haben wir noch zur Welt?

Zwischen den Wörtern und den Dingen entsteht eine Distanz.

***

Nous accédons au pouvoir d’enregistrer des fragments de vies.

Wir erlangen die Macht, Lebensfragmente aufzuzeichnen.

Une distance se crée entre les mots et les choses.

Zwischen den Wörtern und den Dingen entsteht eine Distanz.

Dans le code, les signes de l’alphabet.

Im Code, in den Zeichen des Alphabets.

De l’aleph-beth.

Des Aleph-Beth.

Nous entrons dans le langage, qui n’est plus un dessin de formes.

Wir betreten den Code der Sprache, der kein Abbild von Formen mehr ist.

Les lettres se séparent da la silhouette des choses.

Die Buchstaben trennen sich von der Silhouette der Dinge.

Et nous sommes séparés.

Und wir sind getrennt.

Notre espèce.

Unser Geschlecht.

Entre dans la maison du code, là où les formes du monde sont re-publiés.

betritt das Haus des Codes, dort, wo die Formen der Welt re-publiziert werden.

Tu comprends ?

Verstehst du?

***

C’est ce que j’appelle : une coupure dans l’expérience.

Das ist es, was ich einen Bruch in der Erfahrung nenne.

Nous ne regardons plus les choses mêmes, mais les signes des choses.

Wir betrachten nicht mehr die Dinge selbst, sondern die Zeichen der Dinge.

Nous regardons les divers filtres du monde.

Wir betrachten die vielen Filter der Welt.

Nous nommons cela « art » ou « media » ou « langage » ou « formes ».

Wir nennen das „Kunst“ oder „Medien“ oder „Sprache“ oder „Formen“.

Nous entrons dans la maison de signes.

Wir treten ein in das Zeichenhaus.

Et là, tu vois, nos capacités d’enregistrement produisent leurs premiers effets.

Und siehst du, unser Aufzeichnungsvermögen zeigt seine ersten Wirkungen.

Die Welt hat gesprochen.

***

Les histoires archaïques étaient attachées aux lieux.

Die archaischen Geschichten waren mit Orten verbunden.

Les cultures orales avaient peuplé les lieux du monde, d’histoires.

Die mündlichen Kulturen hatten die Welt mit Geschichten bevölkert.

Et les choses parlaient. Les chants des oiseaux parlaient.

Und die Dinge haben gesprochen. Der Gesang der Vögel hat gesprochen.

Le monde parlait.

Die Welt hat gesprochen.

Il racontait des histoires.

Sie hat Geschichten erzählt.

Les histoires nous rattachaient aux lieux.

Die Geschichten verbanden uns mit den Orten.

Nous étions dans le monde.

Wir waren in der Welt

***

Mais il y a eu le code. Et l’encodage textuelle, alphabétique,
a coupé dans l’expérience.

Aber dann kam der Code. Und die textliche, alphabetische Codierung hat einen Bruch in der Erfahrung produziert.

Nous sommes entrés dans la maison du langage.

Wir sind in das Haus der Sprache eingetreten.

Et les histoires se sont détachés du monde.

Und die Geschichten haben sich von der Welt gelöst.

La synchronie des histoires et des lieux a été rompue.

Die Synchronie der Geschichten und der Orte ist zerbrochen.

Les textes – les scripts – des histoires se sont détachés des lieux.

Die Texte – die Skripte – der Geschichten haben sich von den Orten gelöst.

Bientôt, ils ont formé une sphère seconde, parallèle au monde.

Bald haben sie eine zweite, parallele Sphäre zur Welt gebildet.

Tu comprends ?

Verstehst du?

Quelle communauté ? Quelle est la forme de cette communauté textuelle ?

Welche Gemeinschaft? Was ist die Form dieser Text-Gemeinschaft?

Les capacités d’encodage du monde augmentent.

Die Möglichkeiten der Codierung der Welt nehmen zu.

Et là, je te parle de technique. Je pense à l’alphabet comme la première technique d’enregistrement du monde.

Ich meine die Technologien. Ich denke an das Alphabet als erste Technik der Weltaufzeichnung.

Je comprends que le code alphabétique est là où commence l’oubli.
L’oubli de ce qui est là, sous nos yeux, dans le monde.

Ich begreife, dass mit dem alphabetischen Code das Vergessen beginnt.
Ein Vergessen dessen, was da ist, vor unseren Augen, in der Welt.

C’est ce qu’il advient de notre règne humain, quand nous entrons
dans la sphère du langage.

Das wird aus unserem Menschenreich, sobald wir in die Sphäre der Sprache eintreten.

***

Quand nous nous publions. Quand nous sommes publiés.

Wenn wir uns veröffentlichen. Wenn wir veröffentlicht werden.

Quand nous sommes transformés en public.

Wenn wir uns in der Öffentlichkeit verwandeln.

Quand nous sommes humiliés publiquement.

Wenn wir öffentlich gedemütigt werden.

Quand la publication nous hisse au-dessus des choses, de ce qui est là.

Wenn die Veröffentlichung uns über die Dinge erhebt, über das, was da ist.

****

La « publication » est exil.

Die „Veröffentlichung“ ist Exil.

Tu comprends ?

Verstehst du?

Seine Einsamkeit, inmitten der Berge.

****

Nous montons.

Wir steigen auf.

La marche nous hisse au-dessus des choses.

Der Gang erhebt uns über die Dinge.

Et maintenant, tu penses à ce qui s’est passé depuis. Techniquement.

Und jetzt denkst du daran, was seitdem alles passiert ist. In der Technik.

Tu penses aux autres codes qui sont nés depuis.

Du denkst an die anderen Codes, die seitdem entstanden sind.

A toutes les formes d’encodage du monde.

An alle Formen der Weltcodierung.

Tu penses aux algorithmes que tu essaies d’aimer.

Du denkst an die Algorithmen, die du zu lieben versuchst.

A l’amour qui te lie aux codes qui t’embrassent.

An die Liebe, die dich mit den Codes verbindet, die dich umarmen.

Aux codes qui permettent les publications de ton corps, de tes yeux.

An die Codes, die die Veröffentlichung deines Körpers, deiner Augen ermöglichen.

Aux codes qui t’agrandissent, qui te diffusent, qui te montrent.

An die Codes, die dich vergrößern, dich senden, die dich zeigen.

Aux textes qui sont dans les codes qui sont dans les images et les sons que tu produis.

An die Texte, die in den Codes der Bilder und Klänge sind, die du produzierst.

Tu penses à tous les fragments de codes qui forment une image de toi,
lointaine, contaminante.

Du denkst an all die Code-Fragmente, die ein Bild von dir formen,
weit entfernt, ansteckend.

Tu penses à toutes les vies que tu mènes à l’intérieur des codes
Que tu diffuses dans le monde.

Du denkst an all die Leben, die du im Innern der Codes lebst,
die du in die Welt sendest.

Tu penses aux pouvoirs, à la puissance que ça te donne.

Du denkst an die Kräfte, an die Macht die das dir gibt.

Tu penses à la beauté des encodages que tu es,
aux styles de ton code.

Du denkst an die Schönheit der Codierungen, die du bist,
an die Stile deines Codes.

Tu penses à ça, à cette très grande puissance.

Du denkst daran, an diese sehr große Macht.

Et tu te souviens de Walter B. quand il meurt.

Und du erinnerst dich an Walter B., als er stirbt.

Sa solitude, au-milieu des montagnes.

Seine Einsamkeit, inmitten der Berge.

Son coeur, le battement désynchronisé de son coeur.

Sein Herz, das desynchronisierte Schlagen seines Herzens.

Son coeur serrée contre sa mallette.

Sein Herz an das er seine Aktentasche presst.

Sa mallette qui porte ses derniers manuscrits.

Seine Aktentasche mit den letzten Manuskripten.

L’espoir que lui procure la publication à venir de ses derniers écrits.

Die Hoffnung, die die baldige Veröffentlichung seiner letzten Schriften ihm gibt.

Le réconfort et le coeur qui se désynchronise.

Der Trost und das Herz, das sich desynchonisiert.

Tu penses qu’il faut marcher. Comme lui.

Du denkst, man muss laufen. So wie er.

Se hisser au-dessus des montagnes.

Berge erklimmen.

Pour passer les frontières.

Um die Grenzen zu überqueren.

****

Au moment de mourir, où sommes-nous ?

Im Moment des Todes, wo sind wir da?

Quel public nous regarde ?

Welche Öffentlichkeit sieht uns zu?

Dies ist eine Geschichte. Eine Geschichte, verbunden mit einem Ort.

***

Walter Benjamin est mort là.

Walter Benjamin ist dort gestorben.

Dans les montagnes.

In den Bergen.

Son acte de décès a été rédigé à Port Bou.

Seine Sterbeurkunde wurde in Port Bou verfasst.

Walter Benjamin n’est pas mort n’importe où. Son histoire s’est arrêtée en ce lieu.

Walter Benjamin ist nicht irgendwo gestorben. Seine Geschichte endet an diesem Ort.

Ceci est une histoire. Une histoire attachée à un lieu.

Dies ist eine Geschichte. Eine Geschichte, verbunden mit einem Ort.

Un code accroché aux allures du monde.

Ein Code verknüpft mit dem Aussehen der Welt.

A la mer que le cimetière surplombe.

Mit dem Meer, das der Friedhof überragt.

A Port-Bou.

In Port Bou.

Tu comprends ?

Verstehst du?

****

Que ressentait Walter Benjamin lorsqu’il est mort ?

Was hat Walter Benjamin empfunden, als er gestorben ist?

Que lui disait son cœur ? Quelle a-rythmie ?

Was hat ihm sein Herz gesagt? Welche A-Rhythmik?

Que lui imposait la frontière ?

Was hat die Grenze ihm vorgeschrieben?

Et si le cœur s’arrête, si le corps se fige, pouvons-nous en conclure
qu’une petite parcelle de ce monde vient de publier
la phrase de ses retrouvailles ?

Und wenn das Herz stillsteht, der Körper erstarrt, heißt das,
dass ein kleiner Teil des Seins gerade die
Nachricht seines Wieder-mit-der-Welt-eins-Werdens
veröffentlicht hat?